Im Per­son­alall­t­ag wer­den Sit­u­a­tio­nen rund um die Probezeit viel disku­tiert. Nach­fol­gend einige Beispiele:

 

Andi* hat einen Mitar­beit­er angestellt. Über die Probezeit wurde wed­er gesprochen noch wurde sie schriftlich vere­in­bart. Nach sechs Wochen real­isiert Andi*, dass er sich wieder von dem Mitar­beit­er tren­nen möchte. Es passt ein­fach nicht. Kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Mitar­beit­er sich noch in der Probezeit befind­et? Oder greift hier bere­its die län­gere Kündi­gungs­frist?

 

Andi* hat möchte seinen Ler­nen­den nach Abschluss der Lehre weit­er beschäfti­gen. Im Arbeitsver­trag vere­in­bart er erneut eine Probezeit für drei Monate. Ist das zuläs­sig?

 

Andis* Mitar­beit­er bezieht während der Probezeit zwei Wochen Ferien. Ver­längert sich die Probezeit nun automa­tisch um diese Zeit?

 

*Andi ste­ht stel­lvertre­tend für Sil­vio, Peter, Susanne und alle Unternehmer/innen in der gle­ichen Sit­u­a­tion.

 

Dauer der Probezeit

Gemäss Gesetz gilt bei unbe­fris­teten Arbeitsver­hält­nis­sen der erste Monat als Probezeit. Schriftlich kann die Probezeit verkürzt, ganz wegbedun­gen oder auf höch­stens drei Monate ver­längert wer­den. Bei einem befris­teten Arbeitsver­trag gibt es keine Probezeit gemäss Gesetz. Wollen die Parteien den­noch eine Probezeit vere­in­baren, müssen sie dies schriftlich fes­thal­ten.

 

Kann die Probezeit verlängert werden?

 

Eine Ver­längerung der Probezeit auf mehr als drei Monate ist nicht zuläs­sig. Wird die Probezeit trotz­dem auf mehr als drei Monate vere­in­bart, gilt ab dem vierten Anstel­lungsmonat bis zum Ende der zu lan­gen Probezeit automa­tisch die geset­zliche Kündi­gungs­frist von einem Monat.

Wird die Probezeit hinge­gen infolge Krankheit, Unfall oder Erfül­lung ein­er nicht frei­willig über­nomme­nen geset­zlichen Pflicht effek­tiv verkürzt, so führt dies zu ein­er entsprechen­den Ver­längerung der Probezeit.

Beim Bezug von Ferien ver­längert sich die Probezeit nicht automa­tisch. Der Arbeit­ge­ber muss mit dem Bezug der Ferien ein­ver­standen sein und ist dafür ver­ant­wortlich den Mitar­beit­er trotz Ferien­bezug aus­re­ichend ken­nen­zuler­nen. Ver­traglich wäre jedoch eine Ver­längerung der Probezeit um die Dauer der Ferien möglich, wenn die Probezeit dadurch effek­tiv nicht mehr als drei Monate dauert.

 

Darf der Arbeitgeber kündigen, wenn die Arbeitnehmerin während der Probezeit erkrankt oder verunfallt?

Der Arbeit­ge­ber kann das Arbeitsver­hält­nis während der Probezeit jed­erzeit inner­halb von sieben Tagen kündi­gen. Dies auch wenn der Arbeit­nehmer erkrankt oder verun­fallt. Die geset­zlichen Sper­rfris­ten gel­ten während der Probezeit nicht.


Der Arbeitnehmer wird während der Probezeit krank. Bekommt er trotzdem einen Lohn?

Hier kommt es auf die ver­traglichen Regelun­gen an. Das Gesetz sieht bei unbe­fris­teten Arbeitsver­hält­nis­sen während der Probezeit nicht unbe­d­ingt eine Lohn­fortzahlung bei Krankheit vor. Jedoch gibt es hier in der Prax­is je nach Fall immer wieder Inter­pre­ta­tion­sspiel­raum. Viele Unternehmen haben eine Kranken­taggeld­ver­sicherung. Somit sind die entsprechen­den Ver­sicherungs­be­din­gun­gen mass­gebend. Diese sehen eine Lohn­fortzahlung in der Regel ab dem 30. Tag vor. Das ist aber indi­vidu­ell unter­schiedlich.

 

Der Arbeitnehmer verunfallt während der Probezeit. Wie ist die Lohnfortzahlung? verunfallt?

Der oblig­a­torische Unfal­lver­sicherungss­chutz beste­ht ab dem vere­in­barten Beginn des Arbeitsver­hält­niss­es. Der Arbeit­nehmer erhält somit seine Lohn­fortzahlung von der Unfal­lver­sicherung ab dem drit­ten Tag.

 

Was gilt, wenn die Arbeitnehmerin vor Stellenantritt verunfallt?

Der Ver­sicherungss­chutz des neuen Arbeit­ge­bers begin­nt erst ab dem vere­in­barten Beginn des Arbeitsver­hält­niss­es. Verun­fallt die Arbeit­nehmerin vor Beginn des Ver­sicherungss­chutzes, kommt allen­falls die Ver­sicherung des bish­eri­gen Arbeit­ge­bers zum Zug. Die Ver­sicherungsnachdeck­ung beträgt einen Monat nach Aus­tritt.

 

Hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis bei einer Kündigung während der Probezeit?

Ja. Der Anspruch auf Ausstel­lung eines voll­ständi­gen Arbeit­szeug­niss­es, das sich über Art und Dauer sowie über seine Leis­tun­gen und sein Ver­hal­ten ausspricht, beste­ht auch während der Probezeit. Zu bedenken gilt es jedoch, dass ein solch­es Arbeit­szeug­nis nach ein­er so kurzen Anstel­lungs­dauer wenig aus­sagekräftig sein wird.

 

Darf bei einem Übertritt in eine andere Abteilung beim selben Arbeitgeber eine neue Probezeit vereinbart werden?

Eine neue Probezeit darf in dieser Sit­u­a­tion nur in Aus­nah­me­fällen vere­in­bart wer­den. Zuläs­sig ist eine Probezeit, wenn der Arbeit­nehmer eine völ­lig andere Funk­tion übern­immt, so dass die Arbeit­ge­berin ein nachvol­lziehbares Bedürf­nis hat, die Fähigkeit­en des Arbeit­nehmers für diesen Arbeit­splatz ken­nen­zuler­nen. Keine neue Probezeit darf vere­in­bart wer­den, wenn ein Ler­nen­der nach Abschluss sein­er Aus­bil­dung bei der gle­ichen Arbeit­ge­berin einen nor­malen Arbeitsver­trag erhält.