Einige Unternehmen beschäfti­gen ihre Ler­nen­den nach Ablauf des Lehrver­trages, zumin­d­est vor­erst weit­er. Das Beispiel von Andi* zeigt, welch­er wesentlich­er Punkt beachtet wer­den sollte, um Mehrkosten zu ver­mei­den:

 

Beispiel von Andi*

Andi* war mehr oder weniger zufrieden mit Thomas, der seine drei­jährige Lehre im Som­mer abgeschlossen hat­te. Seine Auf­tragslage war so hoch, dass er ganz froh war um ihn, obwohl er nicht die beste Fachkraft war. Er sicherte Thomas mündlich zu bis auf weit­eres in seinem Betrieb arbeit­en zu kön­nen.

Kurz darauf ver­lor Andi* einen grossen und wichti­gen Auf­trag und teilte Thomas am 6. August mit, dass er ab Ende der Woche keine Arbeit für ihn mehr hat und er nicht weit­er bei in der Fir­ma arbeite kann. Thomas akzep­tierte die Entschei­dung seines Chefs nicht und fordertet den Lohn über die zugesicherte Woche hin­weg.

 

Fordert Thomas seinen Lohn zurecht ein?

Da die Weit­erbeschäf­ti­gung unun­ter­brochen nach der Lehre vere­in­bart und kein Endter­min besprochen oder schriftlich vere­in­bart wurde, han­delt es sich hier um einen unbe­fris­teten mündlichen Ver­trag ohne Unter­bruch. Somit befind­et sich Thomas im vierten Dien­st­jahr. Das heisst Andi* muss die geset­zliche Kündi­gungs­frist von zwei Monat­en (gemäss Art. 335c OR). Er kann das Arbeitsver­hält­nis also nicht per Wochen­frist kündi­gen und schuldet Thomas noch neben dem August auch die Löhne vom Sep­tem­ber und Okto­ber. Sofern Thomas seine Arbeit­sleis­tung weit­er anbi­etet.

 

Ein unglücklicher Umstand führt zu noch mehr Kosten!

Am 29. Okto­ber fällt Thomas infolge Pfeif­fer­schem Drüsen­fieber für voraus­sichtlich drei Monate aus. Andi* staunt nicht schlecht als er erfährt, dass auch bei einem gekündigten Arbeitsver­hält­nis eine soge­nan­nte Sper­rfrist Art. 336c OR gilt.

Erkrankt oder verun­fallt näm­lich ein Mitar­beit­er im gekündigten Arbeitsver­hält­nis wird die Kündi­gungs­frist um die Dauer der Sper­rfrist unter­brochen und erst nach deren Ablauf fort­ge­set­zt. Im Fall von Thomas beträgt diese Sper­rfrist 90 Tage. Somit war Thomas noch bis in den Jan­u­ar des Fol­ge­jahres bei Andi* im Arbeitsver­hält­nis.

 

Vereinbaren Sie die Weiterbeschäftigung schriftlich mit Enddatum!

Obwohl es sehr lobenswert ist, wenn Unternehmen ihre Ler­nen­den weit­erbeschäfti­gen, sollen sich Unternehmen trotz­dem gut über­legen, ob und wie lange die Weit­erbeschäf­ti­gung dauern soll. In jedem Fall empfehlen wir die Vere­in­barun­gen schriftlich festzuhal­ten.

 

Haben Sie Fra­gen zu Per­son­althe­men? Kon­tak­tieren Sie uns. Wir berat­en Sie gerne.

Übri­gens *Andi ste­ht auch für Petra, Roger, Thomas, Bar­bara und alle die in der sel­ben Sit­u­a­tion grosse Ver­ant­wor­tung als Unternehmer/innen tra­gen.